Das Winterauto
von Uwe W.
Im Oktober 1998 traf ich die Entscheidung, daß mein treuer Zweitakt-Wartburg nun alt genug sei und er deswegen in der kalten Jahreszeit im Trockenen bleiben dürfe.
Als Ersatz kam nur ein Wartburg-Kombi in Frage und so schaffte ich mir für damals recht günstige 1500,-DM diesen 1.3er an.
001urzustand Das Auto war zwar aus erster Rentnerhand ,aber der wahre Zustand entsprach mehr der Note 3 minus.
Ein Kugelgelenk an der Vorderachse war bereits so ausgeschlagen, dass der obere Querlenker auf dem Schwenklager schliff.
Die Radläufe mit dem Pinsel überstrichen,eine gebrochene Heckklappe und überall kleine Beulchen.
Aber egal, er hatte noch 1,5 Jahre TÜV und länger sollte er auch nicht mehr halten.
1,5 Jahre sind schnell um und so stelle sich im April 2000 die Frage, was nun passieren soll.
Ein Wartburg sollte es schon bleiben, aber mittlerweile sind wohl alle Kombis, die es noch gibt, auf Klempnerbetriebe zugelassen und sehen auch so aus.
002ohnekotis1 003ohnekotis2
Die Hoffnung, dass ich einen besseren als meinen kriege, konnte ich also begraben.
Also ging es an eine grobe Einschätzung, was alles getan werden muss:
-alle angeschraubten Karosserieteile waren bis auf die Motorhaube schrottreif
-die Längsschweller an den Enden durchgefault
-die Verbindung zwischen vorderem und hinterem Bodenblech war aufgrund schlampiger Verarbeitung auf der gesamten Fahrzeugbreite „kariös“ geworden
-die vorderen Auflagen für die Karosse am Rahmen waren schon sehr perforiert
-und der absolute Höhepunkt, die hinteren Radhäuser: von unten konnten große Stücke wie trockene Kekse vom Auto abgebrochen werden und oben unterm Seitenfenster passte auch der Finger ohne große Krafteinwirkung durchs Blech.
004zerlegung 005radlaufbroesel 006muellhaufen
Die Teile waren leicht zu beschaffen,selbst die kompletten Radhäuser ließen sich nochüber das Auto-Center Lübschütz organisieren.
Abgebaut war der ganze Schrott ziemlich schnell.
Da ich damals gerade sehr wenig Zeit für mein Hobby hatte, ließ ich die Radhäuser in einer Karosseriewerkstatt wechseln,
eine Entscheidung, die mir später noch einiges an Nacharbeit einbringen sollte.
007neuesheck 008neueseiten 009kofferraum
Ursprünglich ging ich davon aus, alle Arbeiten zu erledigen, ohne die Karosse vom Rahmen zu trennen. Dies habe ich dann aber doch getan um wirklich jeden Rostansatz zu beseitigen.
Wenn schon, den schon, keine halben Sachen.
010ohneva-achse
011karosse1 Die Karosse setzte ich auf ein selbstgebautes Rollgestell mit dem man das Teil auch auf die Seite legen um den Unterboden besser bearbeiten zu können und stellte sie erst mal in die Ecke,denn ich wollte zuerst das Fahrgestell wieder renovieren.

Der Rahmen wurde für relativ viel Geld in einer Sandstrahlerei entrostet und nachdem ich ihn wieder hatte erfuhr ich ,dass in Eisenach noch bergeweise neue Rahmen liegen sollen und zum Stückpreis von 50,-DM erworben werden können.
Naja,Pech gehabt.
Die Fahrwerksteile wurden ebenfalls gestrahlt,der Rahmen wieder instand gesetzt
und alles mit schwarzer Kunstharzfarbe lackiert.

012rostrahmen
013rahmenneu

014fgohneachse2
Beim Zusammenbau wurden alle Gummi- und Verschleißteile erneuert. Die Bremsanlage mit allen Leitungen, dem Druckübersetzer für die Hinterachse, die Bremssättel und allen Bremszylindern ist natürlich auch neu.

015ladvorher

  so sieht ein 10 Jahre alter Druckübersetzer von innen aus  
Den Motor habe ich zusammen mit dem Getriebe auf einen Anhänger gewuchtet, alle Öffnungen zugeklebt, mit Industriereiniger eingesprüht und ab damit in die Waschbox an der Tankstelle.
So ein Hochdruckreiniger ist schon ne feine Sache und selber kriegt man auch gleich eine ordentliche Dusche mit ab. Wenigstens war das Wasser warm.
016motorgetriebe 017getriebevorher
018lenkung
019fgohneachsen
020fgfertig
Das Fahrgestell war relativ schnell wieder mit den aufgearbeiteten Teilen komplettiert,
bekam gleich noch eine Hohlraumkonservierung und 4 schöne neue Reifen auf die originalen Felgen gezogen
bevor es mit dem Gabelstabler auf den Zwischenboden gehoben und erst mal eingelagert wurde.
021fgfertig2
022fgaufstapler
023fgvonunten
Die nun folgenden Arbeiten an der Karosse sollten noch sehr aufwendig werden. Durch die ausgewechselten Radhäuser war die Passung der hinteren Türen völlig im Eimer.
Ich konnte die neuen Türen hin und her schieben wie ich wollte, es passte nichts mehr.
Der Türausschnitt ist auf beiden Seiten ca. 1cm länger als die Türen geworden und wenn die rechte Hintertür oben zu war,
stand sie unten 2 cm ab weil in der C-Säule ein Knick am Übergang von altem zu neuem Blech vorhanden war.
024passungsaerger2


025passungsaerger
Ich war ratlos und drauf und dran die Karosse sozusagen „in den Skat“ zu drücken.
In einem solchen Fall ist es besser, den ganzen Kram erst mal in die Ecke zu stellen und in Ruhe
die Gedanken schweifen lassen wie den das wohl wieder zu richten geht.
Ich habe dann nach einer „schöpferischen Pause“ fast alle Schweißnähte auf der rechten Seite wieder aufgetrennt,
die C-Säule zerschnitten und das ganze Hinterteil mit Spanngurten nach innen gezogen und wieder verschweißt.
Nun war wenigstens schon mal die Karosse wieder gerade.
Bliebe noch das Problem der zu kurzen Türen. Was zu kurz ist muß verlängert werden, logisch.
Ich setzte an die Türkanten Blechstreifen an die von innen durch WIG-Schweißen befestigt sind und stellte durch Zurechtflexen
der neuen Kante ein ordentliches Spaltmaß ein.
Anschließend wurden die Kanten mit Karosseriezinn verschwemmt.
026tuerverlaengerung 027tuerverlaengerung2 028passungkorrigiert2 09passungkorrigiert
Da ich nur Limousinentüren hatte, musste ich noch Fensterrahmen vom Tourist anpassen.
Da mir das Ergebnis so gut gefiel, habe ich die Aktion für die vorderen Türen wiederholt,
um die doch recht großen Karosseriespalten beim Wartburg zu verringern.
Für die gesamten Anpassungsarbeiten aller Karosserieteile habe ich einen ganzen Winter gebraucht,
da ich keine Kompromisse eingehen wollte und später mit glänzendem Lack alle Fehler erst so richtig sichtbar werden.
030karossekomplett2

031karossekomplett
In diesem Zustand war die Karosse ja schon wieder weitgehend komplett und alles saß am rechten Fleck.
Es nutzt aber nichts, zum Lackieren muß alles wieder auseinander genommen sein.

Vorher habe ich auf den Unterboden noch 13 Einliterdosen überlackierbaren Unterbodenschutz draufgeblasen,damit das Ganze ewig halten möge.

032vonunten
Dann hieß es im April 2003 Abmarsch zum Autolackierer,der sich zwar etwas Zeit lies aber dafür alles in bester Qualität in
porsche-dschungelgrün-metalic
(an mein Auto kommt mir keine Golf-Farbe)tauchte.
Den Unterboden habe ich dann selber noch mit moosgrüner Kunstharzfarbe lackiert und dann konnte Hochzeit gefeiert werden.
033fggruen
034hochzeit

035fgundkarosse

Die restliche Montage machte keine weiteren Probleme, zog sich aber bis zum August 2003 da ich wert auf eine saubere Optik aller Teile lege.
Das betrifft zum Beispiel die ordentliche Verlegung der Kabelbäume oder das Aussehen von kleinen Teilen.
Für die Ladekante am Kofferraumende fertigte ich noch eine Blende aus Edelstahl an,
welche durch mit Glasperlstrahlen eingravierte Logos verschönert wurde.
Da an den vorderen Türen nicht genügend Einbautiefe für ordentliche Lautsprecher vorhanden ist,
habe ich mir aus Holz Verstärkungen gebaut, welche mit dem originalem Polsterstoff bezogen sind.
Der Dachhimmel wurde selber genäht (vielen Dank, liebe Mutti) und eingebaut.
Als kleines High-Light spendierte ich dem Wartburg noch ein elektrisches Schiebedach von Webasto
(in Anlehnung an die 311er Wartburg-Camping).

037fertigundgruen
038fertigundgruen3

039motorraum
040heckblende
041heckblende2

042elektrik
043innenraum
044lautsprecher

045sitze
  046luftfilter  
zurück zum Fuhrpark oder den Mitgliedern